RSRH: Research and correction regarding the portrait of King Frederick I. of Prussia at his throne
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Topic
Schlodien
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Compilation Date
Title Set
Title
Research and correction regarding the portrait of King Frederick I. of Prussia at his throne
Title Language
EN
Title Set
Title
Forschung und Korrektur das Porträt von König Friedrich I. von Preußen auf seinem Thron betreffend
Title Language
DE
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    Staatsporträt „Friedrichs I. in Preußen auf dem Thron“ von Friedrich Wilhelm Weidemann mit zugehörigem Prunkrahmen im Festsaal von Schlodien (Roter Saal)

     

    Zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken in Schlodien zählte das große Staatsporträt König Friedrichs I. auf dem Thron von Friedrich Wilhelm Weidemann. Von diesem Gemälde sollen 18 Versionen bzw. Wiederholungen 1701 vom ersten preußischen König an die ersten Ritter des Schwarzen Adlerordens geschenkt worden sein, darunter mit Sicherheit auch das Schlodier Exemplar in seinem zugehörigen zeitgenössischen Rahmen.

     

    Das großformatige Porträt dürfte zur ursprünglichen Ausstattung des Festsaals (Roter Saal) gehört haben und ist dort auf mehreren historischen Aufnahmen belegt (siehe u.a. Foelsch Abb. 347a und 353), immer zusammen mit dem darunter aufgestellten Akanthus-Tisch, der möglicherweise auch ein königliches Geschenk war und stilistisch mit Möbeln aus den preußischen Königsschlössern vergleichbar ist (Fotos CN IMG_2252, IMG_2275 und IMG_2277). Die vermutlich schon bauzeitlich zwischen den Fugen des Mauerwerks eingebrachten Haken bzw. Trägereisen für Rahmen und Gemälde sind noch heute in situ an der Südostwand des Roten Saals zu erkennen (Foto CN IMG_3044_Ausschnitt).

    Auf einer historischen Aufnahme ist es abweichend an der Nordwestwand der Blauen Vorkammer und gemeinsam mit dem Akanthustisch zu sehen (Foelsch Abb. 354). Dies scheint aber nur eine vorrübergehende Hängung gewesen zu sein, worauf auch die unangemessene Plazierung über einem Bildteppich mit landschaftlicher Darstellung verweist.

     

    Der Verbleib des Gemäldes nach 1945 ist ungeklärt. Berichte seiner Zerstörung sind nicht bekannt. Aufgrund seiner Größe und Opulenz ist ein Abtransport anzunehmen. Eine Verbringung in die ehemalige Sowjetunion ist nach Rücksprache mit Dr. Burkhardt Göres, ehem. Schlösserdirektor der SPSG und Experte in Sachen Beutekunst, eher unwahrscheinlich, da Schlodien als Landschloß nicht im Fokus der auf große Zentren ausgerichteten Trophäenbrigaden stand. Möglich wäre, daß es auf Umwegen und mit unklarer Provenienz in die Depots eines polnischen Museums bzw. in den polnischen Kunsthandel kam und sich heute möglicherweise unerkannt in einer Sammlung befindet. Da es sich um ein herausragendes Stück handelt und es nach Auskunft von Dr. Göres in Polen einen Nationalmuseums-Vorbehalt gab, könnte es sich ebenda befinden. Hierzu sind weiterführende Nachforschungen und Anfragen notwendig.

     

    Für die im Rahmen des Projekts von Anna Preiss begonnene virtuelle Modellierung des Gemäldes und des zugehörigen Rahmens können verschiedene Quellen als Vorlagen genutzt werden. Das Gemälde selbst ist in mehreren weiteren, in Details leicht abweichenden Versionen erhalten (u.a. im Preußen-Museum in Minden) und könnte von diesen übernommen werden.

     

    Im Zusammenhang mit der Korrektur der virtuellen Modellierungen wurden Nachforschungen zum Prunkrahmen notwendig. Die bekannten historischen Aufnahmen von Bild und Rahmen lassen nur bis zu einer bestimmten Detailschärfe Rückschlüsse auf die geschnitzten Ornamente und Feinheiten zu.

     

    Um vergleichbare Rahmen als Vorlage zu ermitteln und Fragen an die Details des Schlodier Rahmens zu klären, wurden Anfragen an die Mitarbeiterinnen der Abteilung Restaurierung der SPSG, Katja Wendler und Mechthild Most gerichtet und ein Vor-Ort-Termin in Berlin-Charlottenburg und Oranienburg durchgeführt. Außerdem erfolgte in Berlin ein Werkstattbesuch bei dem Bildhauer und Experten für Rekonstruktion von barocken Bilderrahmen, Bernhard Lankers.

    Diese Anfragen und Termine lieferten tiefergehende Erkenntnisse und Detailaussagen zum Bilderrahmen. Der Schöpfer des Rahmens und vergleichbarer in den preußischen Königsschlössern ist bislang nicht namentlich bekannt. Stilistisch ist der Rahmen in das beginnende 18 Jahrhundert zu datieren und somit als ursprünglich dazugehörig zu bezeichnen. Darauf deutet auch der bekrönende Abschluß mit der preußischen Königskrone, dem Adler und den weiteren königlichen Insignien, die auf die neuerlangte Würde und die damit verbundene Standeserhöhung des Dargestellten ausgerichtet ist. Dieser Bezug von Rahmen und Darstellung ist auch bei weiteren Versionen gegeben (z.B. Exemplar in Minden und ehemals Schloß Finckenstein). Die Version in der Blauen Stube im benachbarten Schlobitten hatte einen Rahmen aus einer anderen Werkstatt und einen möglicherweise jüngeren Aufsatz mit Adler und Standarten.

     

    Durch die Mitarbeiter der SPSG wurde auf vergleichbare Rahmen aus offensichtlich der gleichen Werkstatt in den Schlössern Charlottenburg und Oranienburg hingewiesen. In Charlottenburg befinden sich entsprechende Rahmen um ein weiteres Weidemann-Porträt Friedrichs I. und um die Konstantin-Schlacht im Alten Schloß (Fotos CN IMG_2254, IMG_2270, IMG_2281 und IMG_2286). Im Schloß Oranienburg besitzt ein weiteres Weidemann-Porträt Friedrichs I. seinen zeitgenössischen Rahmen aus der gleichen Werkstatt (Fotos CN IMG_2297 und IMG_2305).

    Bernhard Lankers wies zudem auf einen ähnlich reich ornamentierten und mit Insignien besetzten Rahmen zu einem Friedrich-I.-Porträt im Raum 36 (Nachbildung des Kronkabinetts im Berliner Schloß) hin, der sich im zerstörten Schloß Monbijou befand (Foto mi03620d05).

     

    Eine weiterer, dem Schlodier Rahmen eng verwandter Rahmen befand sich in der Kleinen Galerie der Kurfürstenzimmer im zerstörten Berliner Schloß (Scan berliner_schloß1). Dieser faßte ein doppelfiguriges Porträt des Großen Kurfürsten und seiner Gemahlin (Eltern Friedrichs I.) ein und war aufgrund des Standes des Dargestellten nicht mit einer Krone, sondern mit dem brandenburgischen Kurhut bekrönt. Dieser Rahmen dürfte zur umfassenden Umgestaltungs- und Neuausstattungsphase des Berliner Schlosses zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehören und vom König selbst in diesem Zusammenhang in Auftrag gegeben worden sein. Er ist hinsichtlich des Profils, der Kartuschen und sonstigen ornamentalen Details sehr eng mit dem Schlodien verwandt und damit eine weitere Grundlage für die virtuelle Modellierung.

     

    Eine besonderes wichtige und noch fast vollständig erhaltene Vorlage für die Modellierung ist der wiederum eng mit dem Schlodier verwandte Rahmen um die Version des Gemäldes im Preußen-Museum in Minden (Foto CN IMG_4561). Dieser weicht nur in einigen Details der Ausführung vom Schlodier Rahmen ab und kann daher als Hauptquelle genutzt werden.

    Wahrscheinlich sind die Unterschiede zum Schlodier Rahmen teilweise durch Verluste von Schnitzwerk erklärbar. Vermutlich fehlen Schnitzteile an den Eckkartuschen und wohl auch Teile der Flügel des bekrönenden Adlers, wodurch die seltsam gedrückte Form des Wappenvogels im Unterschied zum Schlodier Rahmen zu erklären ist. Diese Unterschiede und damit die korrekte Interpretation der Bildquellen aus Schlodien bleiben bei einem Vort-Ort-Termin in Minden zu klären.

    Unterschiede gibt es zudem am unteren Schenkel des Rahmens. Während in Schlodien die Mitte zwischen den beiden unteren Eckkartuschen mit einer Art Gitterwerk verziert gewesen zu sein scheint (wohl analog den Füllungen in den seitlichen Kartuschen am Schlodier, Mindener und vergleichbaren Rahmen, vgl. Foto CN IMG_2265), ist die Mittelpartie am Mindener Rahmen als Spiegel bzw. mattierte vergoldete Fläche gestaltet.

    Durch Modifizierung des noch zu digitalisierenden Mindener Rahmens könnte sich der Schlodier Rahmen weitestgehend detailgetreu virtuell rekonstruieren lassen.

     

    Laut Foelsch S. 269 sei der Schlodier Rahmen oben unterhalb des Trophäenaufsatzes mit dem gewundenen Band des Schwarzen Adlerordens verziert gewesen. An den Vergleichsrahmen ist dies jedoch nicht zu erkennen, so daß die Aussage von Foelsch in Frage zu stellen ist. Wahrscheinlich handelt es sich hier aber eher um einen Kranz bzw. Feston aus Laubblättern.

     

    Nach längerer Diskussion und Erörterung zeitgenössischer Bilderrahmen und ihrer Profile sowie durch Interpretation der bekannten historischen Innenaufnahmen aus Schlodien konnte gemeinsam mit Bernhard Lankers das mußmaßliche Profil des Schlodier Rahmens rekonstruiert werden (Zeichnung CN Profil Prunkrahmen). Dieses entspricht in seinem Verlauf zeitgenössischen Rahmen aus der gleichen Werkstatt.

     

     

     

     

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